58 TONNEN DRAINMÖRTEL FÜR 2 KILOMETER STUFEN

Ein imposantes Vordach auf grazilen Stützen machen zusammen mit der Treppe und der weitläufigen freien Fläche das Congress Center zu einem optischen Highlight am südlichen Elbufer

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59 Meter und mehr als 2 000 laufenden Meter Treppenstufen misst die Freitreppe, die zum Eingang des Kongresszentrums in Dresden führt. Vierzehn Jahre nach der Eröffnung hatten die Besucher schädigende Spuren hinterlassen. Sie zu sanieren war für alle Beteiligten eine Herausforderung, erst recht im Hitzesommer 2018.

Es ist ein beeindruckendes Gebäude, das 2004 in Dresden eröffnet wurde: Das Internationale Congress Center Dresden (ICD), direkt am südlichen Elbufer gelegen, ist Teil des Gebäudeensembles „Neue Terrasse“, zu dem außerdem der Sächsische Landtag und der Erlweinspeicher gehören. In dem renovierten Speicher befindet sich heute ein Maritim-Hotel, das auch das Congress Center betreibt, das auf vier Ebenen Platz für über 6 000 Veranstaltungsteilnehmer bietet.
Auf der Südseite des Gebäudes führt eine breite Freitreppe zum Eingang und auf die langsam ansteigende Terrasse des Kongresszentrums. Die Ausmaße der Treppe sind Rekord verdächtig: gut 59 Meter breit, mehr als 2 000 laufende Meter Stufenkanten; 37 Stufensteigungen auf der rechten und 32 Stufensteigungen auf der linken Seite der Treppe, dazu ein rund 100 Quadratmeter großes Zwischenpodest.

Besonders die Maßhaltigkeit der freigelegten Rohkonstruktion war eine Herausforderung.
Mortimer von Haebler

Im Zuge der Sanierung sollten ursprünglich nur die defekten Muschelkalkplatten gegen Platten aus Betonwerkstein ausgetauscht werden. Nach einer eingehenden Untersuchung stellte sich jedoch heraus, dass dies nicht ausreichen würde. Das Ingenieurbüro von Haebler stellte nämlich fest, dass die Hälfte der Treppe beschädigt war und erstellte ein Sanierungskonzept für die gesamte Freitreppe. Denn die Schäden und Unebenheiten reichten bis weit in den Untergrund.
Das Ingenieurbüro und der Bauherr, die städtische Objektgesellschaft Kongresszentrum Neue Terrasse Dresden mbH, entschieden deshalb, die Treppe auf der gesamten Fläche bis auf die Rohkonstruktion abzutragen und eine neue Unterkonstruktion zu schaffen. „Besonders die Maßhaltigkeit der freigelegten Rohkonstruktion war eine Herausforderung“, erklärt Mortimer von Haebler. Aufgrund des unebenen Untergrunds war die Mörtelschicht über der Rohkonstruktion teils nicht dick genug, teils aber auch zu dick. „Um eine Geometrie zu erhalten, auf der wir aufbauen konnten, mussten wir deshalb zunächst eine Unterkonstruktion mit neuem Ausgleich schaffen.“ Allein dieser Arbeitsschritt nahm mit der Abdichtung zwei Monate Bauzeit in Anspruch, bevor mit dem neuen Belag begonnen werden konnte. Im Hauptlaufweg der Treppenanlage musste außerdem das elektrische Heizungssystem ausgetauscht werden.

Eine weitere Herausforderung war die Entwässerung. „Bei einer solch großen Treppe muss das Wasser über eine Drainageebene abgeführt werden. Ein normaler Drainmörtel lässt solche Mengen Wasser nicht mehr durch“, erklärt von Haebler. „Denn zu den unteren Stufen fließt immer noch Wasser von den oberen Stufen, das dort durch die Fugen gelangt. „Wir brauchten aufgrund der Größe der Treppe also einen größeren Entwässerungsquerschnitt.“
Als Problemlösung entschieden sich die Ingenieure für einen dünnschichtigen Epoxidharz-Drainmörtel und ein kapillarpassives Stufendrainagesystems. Auf dem 96 Quadratmeter großen Zwischenpodest sollte eine Flächendrainage verlegt werden. Denn der Drainmörtel allein würde die Treppe nicht vor neuen Schäden schützen können. Das bestätigt auch eine aktuelle Untersuchung des SKZ-Technologie-Zentrums Würzburg. In einem Versuchsaufbau wurden Treppenaufbauten mit Drainmörtel alleine und mit Drainmörtel plus Stufendrainage verglichen. Abgesehen davon, dass bei Aufbauten ohne Stufendrainage der Bereich der Stellstufen schnell durchfeuchtet war, ist mit Stufendrainage die Entwässerungsleistung um ein Vielfaches höher als ohne.

Die Stufendrainage stelzt den Belag komplett auf. Dadurch bilden die Drainkanäle einen definierten Hohlraum von 8 mm, durch den Wasser deutlich schneller und effektiver abfließen kann als ohne diese Zusatzmaßnahme. Gleichzeitig wandert Stauwasser auf der Abdichtungsebene nicht über die Bettungsschicht zurück in die Belagskonstruktion, was Ausblühungen, Frostschäden und auch langanhaltende Feuchteflecken am Belag vermeidet.

Zudem hat Stufendrainage eine niedrige Aufbauhöhe. Die Stufen mussten in Auftritt und Steigung gleichmäßig aufgebaut werden, um in der Norm zu bleiben. Gleichzeitig musste die letzte Stufe oben schlüssig an die sich anschließende schräge Ebene herangeführt werden. „Durch die 1 cm höheren Betonwerksteinplatten und die starke Drainmörtelschicht kamen wir oben schon höher heraus als bei der abgetragenen Konstruktion“. Dank der geringeren Aufbauhöhe der gewählten Stufendrainage konnte die Treppe unten und oben passend an die vorhandenen Ebenen angeschlossen und Stolperfallen vermieden werden.

Um die zu erwartenden großen Mengen Niederschlagswasser ableiten zu können wurde eine kapillarpassive Drainage verlegt (links), auf die anschließend der Epoxidharz-Drainmörtel aufgeracht wurde.

Anstelle eines zementären Drainmörtels wurde ein Epoxisharz-Drainmörtel mit einer Schichtstärke von 25 mm eingebaut.

Dazu trug auch die Wahl des Drainmörtels bei. Ein zementärer Drainmörtel schied aus, denn auf Drainagen verlegt benötigt er mindestens 50 mm Schichtstärke. Ein Drainmörtel auf Epoxidharzbasis, lässt sich hingegen bereits ab einer Schichtstärke von 25 mm verarbeiten. Mit der Verlegung des neuen Belags war das Dresdner Unternehmen Schubert Steinmetz- und Steinbildhauer GmbH beauftragt worden.

Die große Herausforderung für die Verarbeiter bestand in dem sehr unebenen und haftungsfeindlichen Betonuntergrund. Der Beton wurde selbst angefräst nicht richtig griffig. Er musste mit Hochdruck gestrahlt werden, um überhaupt einen Haftverbund herstellen zu können. Die Unebenheiten beim Untergrund beanspruchten nicht nur viel Zeit, sondern auch große Mengen an Material. Teilweise musste extrem viel aufgespachtelt, an anderen Stellen dagegen Beton abtragen werden, weil die aufgetragene Drainmörtelschicht sonst nicht gereicht hätte. Ein Vermessungsbüro markierte mehrere Tausend Messpunkte. Daraus wurde der bestmögliche Mittelweg zwischen Aufspachteln und Abtrag ermittelt. Verarbeitet wurde schließlich die stolze Menge von 58 Tonnen Drainmörtel.

Nach dem Rückbau der alten Treppe bis auf die Rohkonstruktion konnte im Juli 2018 mit dem Auftragen der Ausgleichsschichten und den Verlegearbeiten begonnen werden. Bis Ende Oktober 2018 waren in Spitzenzeiten acht bis zehn Verarbeiter auf der Baustelle beschäftigt. Die 58 Tonnen Drainmörtel wurden vom frühen Morgen bis zum späten Nachmittag nonstop im Zwangsmischer mit Epoxidharz angerührt, teilweise bis sich die Mörtelkübel des Mischers unter der mechanischen Belastung auflösten, wie sich von Haebler erinnert.

Das Problem der neuen Elektroheizung wurde mit einer Sonderkonstruktion gelöst. Die Heizungsschleifen liegen jetzt auf einer Gittermatte und mussten ganz vom Drainmörtel umschlossen werden (Fotos: Ingenieurbüro von Haebler)

Wir kennen alle keine größere Treppe in Deutschland. Nur ob es wirklich die größte hierzulande ist, haben wir noch nicht herausgefunden.
Bauingenieur von Haebler und Steinmetzmeister Schitthof

Auch das Problem der neuen Elektroheizung wurde mit einer Sonderkonstruktion gelöst. Die Heizungsschleifen liegen jetzt auf einer Gittermatte und mussten ganz vom Drainmörtel umschlossen werden, damit sie nicht durchbrennen. Außerdem durfte das Trägergewebe die Drainwasserableitung im Drainmörtel nicht verschließen und nicht trennend auf die Drainmörteleinbettung wirken. Diese musste weiterhin einen einwandfreien Haftkontakt zur Belagsrückseite gewährleisten. Für Außenbereichsheizungen mit angemörtelten Bodenplatten existieren keine Normen, weshalb zuvor in ständigem Kontakt mit dem planenden Bauingenieur und dem Elektroheizflächenhersteller geprüft werden musste, inwieweit Regelungen für Flächenheizungen im Innenbereich mit der geplanten Ausführung im Außenbereich konform sind.

Die Elektroheizmatten wurden zunächst in der Werkstatt der Schubert Steinmetz- und Steinbildhauer GmbH probeverlegt. Das Ergebnis: Das eingebettete Gittergewebe ließ ausreichenden Haftkontakt des Flexklebers zur Oberseite der Drainmörtelschicht zu.

Die größte Herausforderung für alle Beteiligten war jedoch die enorme Hitze im Sommer 2018. „Vom Beginn der Arbeiten Anfang Juli bis zur witterungsbedingten Unterbrechung Ende Oktober gab es nur drei oder vier Regentage, erinnert sich Steinmetzmeister Hans-Jörg Schitthof. Um wenigstens etwas Frischluft zu bekommen, ließ er eine Beschattung aufbauen und große Ventilatoren aufstellen. Im Winter wurden die Arbeiten unterbrochen, von Ende März bis Mitte April 2019 konnten sie schließlich erfolgreich abgeschlossen werden.

Aus
STEIN.KERAMIK.SANITÄR
Ausgabe 4.2021

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Fotos: Gutjahr Systemtechnik

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Das Internationale Congress Center Dresden (ICD) wurde 2004 eröffnet und bietet Platz für bis zu 6 000 Konferenzteilnehmer. Es befindet sich unweit der Dresdner Altstadt am südlichen Elbufer in direkter Nachbarschaft zum Erlweinspeicher. Es ist damit Teil des Gebäudeensembles „Neue Terrasse“, bestehend aus dem Sächsischen Landtag, dem Erlweinspeicher und dem Kongresszentrum. Besondere äußere Merkmale sind das markante Vordach und die weitläufige mehr als 50 Meter breite Freitreppe mit 37 Stufen, die 2018 renoviert werden mussten. Geplant wurde die Arbeiten vom Dresdner Ingenieurbüro von Haebler (http://www.vonhaebler.de/), ausgeführt wurden sie von der Schitthof Naturstein GmbH (https://www.schitthof-naturstein.de/) mit diesen Produkten von der Gutjahr Systemtechnik GmbH (https://www.gutjahr.com/): Stufendrainage „AquaDrain SD“ und Epoxidharz-Drainmörtel „MorTec Drain“.

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